Initiative der Hochschulsekretärinnen

Sekretärinnen und Sekretäre wehrt Euch!

Noch in diesem Jahr beginnen die Verhandlungen über die Ausgestaltung des TV-L.



An fast allen bayerischen Hochschulen wurde in diesem Zusammenhang ein "Offener Brief der Sekretariate im Hochschulbereich" erstellt. Ziel dieser Aktion war die Sensibilisierung der Hochschulleitungen und Tarifverhandlungspartner für die Diskrepanz zwischen realer Arbeitsleistung im universitären Büromanagement und dem tatsächlichen Tabellenentgelt. DieTätigkeitsmerkmale des BAT zur Eingruppierung bestehen seit über 30 Jahren unverändert. Sie entsprechen in keiner Weise den derzeitigen Anforderungen an ein Sekretariat im Wissenschaftsbetrieb einer modernen und leistungsstarken Hochschule, denn in den Hochschulsekretariaten arbeiten heute sozial kompetente, mit Kommunikationsfähigkeiten für alle Statusgruppen ausgestattete, fremdsprachlich versierte Universalkräfte, die mit diesen Leistungen den Bestand und die Abläufe der Hochschulen sichern.



An der Initiative des offenen Briefes der Hochschulsekretärinnen und -sekretäre haben sich fast alle bayerischen Hochschulen beteiligt.



Sekretärinnen und Sekretäre der Hochschule München- offener Brief (PDF, 15KB)



Der Beirat der Landeskonferenz der Frauen – und Gleichstellungsbeauftragten hat eine Stellungnahme zur Initiative des offenen Briefes der Sekretärinnen und Sekretäre formuliert. (PDF, 20 KB)



Antwort des Staatsministers Georg Fahrenschon (PDF, 49 KB)



Auf der nächsten Landeskonferenz der bayerischen Gleichstellungsbeauftragten wird Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch auf den offenen Brief der Sekretärinnen und Sekretäre reagieren.


Die nächste Sitzung der Landeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an bayerischen Hochschulen findet am 04. Dezember 2009 in München statt.



Kleiner Exkurs:


"In Dortmund ist einer Sekretärin gekündigt worden, weil sie es gewagt hatte, eine Frikadelle vom Chef-Buffet zu essen."



So ein gemeiner Mundraub kann natürlich nicht geduldet werden. Die Täterin war Angestellte eines Verbandes (es war nicht der Deutsche Hochschulverband). An einer Uni hätte man bestimmt ein Auge zugedrückt. Chef-Buffets mit Buletten gibt es da ohnehin selten. Und Hochschulen sind, verglichen mit den vielen Menschenverschleißanstalten in der freien Wirtschaft, noch immer ganz gute Arbeitgeber. Wobei das Gute auch seine schlechte Seite hat: Es interessiert sich niemand für die Sekretärinnen am Arbeitsplatz Hochschule. Sie könnten den Professoren auch verstaubte Aufsätze vom Schreibtisch klauen. Das wäre nicht schlimm. Wahrscheinlich hoffen viele Wissenschaftler sogar darauf.


Professoren können, medial gut begleitet, inbrünstig wehklagen über ihre kümmerliche Besoldung. Die meisten hätten wirklich mehr verdient, immerhin arbeiten sie unbeirrt an der siebenundvierzigsten Mehrfachverwertung ihres einen kreativen Augenblicks, den sie vor Jahren einmal hatten. Lebt eine Uni-Sekretärin knapp über Hartz IV, interessiert das höchstens den Verdi-Bezirksfunktionär. Und der ist in den Augen von Presse und Professor ja nur der fleischgewordene Ausdruck einer leistungsfeindlichen Vollkaskomentalität.


Es gibt mehr als 65 000 Verwaltungsmitarbeiter an den deutschen Hochschulen. Sie müssen jedoch sehr verrucht sein, denn niemand redet über sie, jedenfalls nicht über die Sekretärinnen auf den billigen Plätzen. Dabei tragen auch sie zu den Erfolgen und Misserfolgen der Hochschulen bei. Sekretärinnen, die einem Professor direkt zugeordnet sind, arbeiten oft in einem wenig beachteten Reich. Da gibt es den Chef, der nie im Büro ist und fast keine Aufgaben stellt. Auf dem Bildschirm im Sekretariat müssen deshalb viele Moorhühner ihr Leben lassen. Da gibt es aber auch den ADHS-Professor, der 27 Projekte gleichzeitig besprechen und immer alles sofort erledigt haben will. Wenn sie Glück hat, bekommt die Sekretärin ein Dankeschön im Vorwort des neuen Buches, das der Meister ihr zur Weihnachtsfeier überreicht.


Die steigenden Ansprüche an die Sekretariate müssten eigentlich mit einer Aufwertung des Berufs einhergehen. In einer Expertise der Friedrich-Ebert-Stiftung schlagen die Autoren eine neue Kategorie von „Wissenschaftsassistentinnen“ vor (U. Banscherus et al.: Arbeitsplatz Hochschule, Bonn 2009). Qualifikation und Gehälter müssten steigen, Fortbildungen wären nötig, die Wissenschaftler müssten ihre Assistentinnen auch einbinden in die Inhalte und Ziele ihrer Arbeit. Das wäre für alle von Vorteil. Aber viele Professoren wollen lieber nichts abgeben. Höchstens mal eine Bulette."


(Quelle: Artikel aus Forschung & Lehre - http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress URL zum Artikel: http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=3050)